Ihr System kann korrekt sein und trotzdem illegitim.
Decision Integrity ist die Bedingung, unter der ein System über die Zeit dieselbe legitime, entscheidungstragende Instanz bleibt. Sie ist nicht identisch mit Korrektheit, Compliance, Monitoring oder Modellqualität. Sie ist die Bedingung, die bestehende Standards nicht prüfen.
Nicht: funktioniert das System?
Sondern: darf es noch?
Ein System kann verhaltenssetig korrekt, statistisch stabil und formal compliant bleiben — während die Entscheidung, die es ausführt, nicht mehr die genehmigt wurde. Das Mandat hat sich verändert. Die Autorisierungsbasis ist abgelaufen. Die Annahmen, die den Betrieb rechtfertigten, gelten nicht mehr.
Kein bestehender Standard stellt diese Frage. Compliance fragt: wurden die Regeln eingehalten? Monitoring fragt: verhält sich das System anomal? Safety fragt: kann Schaden verhindert werden? Keiner fragt: ist die aktuell ausgeführte Entscheidung noch dieselbe autorisierte Entscheidung wie bei der Freigabe?
Das ist die Governance-Lücke. Das ist was Decision Integrity schließt.
Identität
Die definierenden Attribute einer Entscheidung — ihre Autorisierungsbasis, ihr Geltungsbereich und ihre Annahmemenge — müssen während der Ausführung intakt bleiben. Wenn sich die Identität ändert, ist die Fortsetzung kein autorisierter Akt mehr.
Kontinuität
Legitimität muss während der Ausführung bestehen — nicht nur zum Freigabezeitpunkt. Der Moment der Autorisierung ist ein Zeitpunkt. Die Ausführung ist ein kontinuierlicher Prozess. Decision Integrity überbrückt diese Lücke.
Witnessability
Aussagen über Identität und Drift müssen an Zeugen gebunden sein — auditierbare Referenzen die Governance-Objekte belegen. Ohne Zeugen bleibt Governance narrativ statt verifizierbar.
Re-Legitimation
Wenn sich identitätsrelevante Bedingungen ändern, erfordert die Fortsetzung einen expliziten Governance-Akt — keine stille Anpassung. Re-Legitimation ist der Mechanismus, der Ausführung bei sich ändernden Bedingungen legitim hält.